Archiv | Suchseite | Sitemap | Impressum

 

 

Webvisitenkarten   Magazin   Gästebuch   Forum   Links   Download

Home | Präsidium | Termine | Vereine | Prüfungswesen | Landeskader | Jugend | Frauenkarate | Breitensport | Krokoyama-Cup | JuniorCup

Bericht vom Lehrgang mit Hiroshi Shirai in Germersheim   

Ebene zurück / Up

 

Shihan Shirai: Ein Anachronismus in der heutigen Welt?

Auch in diesem Jahr folgte Shihan Hiroshi Shirai, 9.Dan, unsrer Einladung zum traditionellen Pfingst-Lehrgang bei der SKA Germersheim/Rülzheim. Knapp 150 Karateka aus ganz Deutschland, Schweiz, Frankreich und Belgien füllten die Halle in Germersheim.

Dass diese faszinierende Kampfkunst einen Menschen geistig und körperlich fit hält bis ins hohe Alter, dafür ist der japanische Großmeister mit seinen 72 Jahren das beste Beispiel. Aber auch dafür, dass man Karate ein Leben lang betreiben kann, ohne dass es je langweilig wird. Bestätigt wird dies auch durch seinen Schüler Sensei Fugazza,7. Dan, der mit seinen 58 Jahren immer noch ein faszinierendes Karate zeigt. Er begleitete den Großmeister auch in diesem Jahr, um gemeinsam mit Sensei Marc Stevens, 5. Dan, die Ausführungen des Großmeisters mit herausragenden Vorführungen der Katas, des dazugehörigen Bunkai, Kihon und Kumite zu unterstreichen.

Wie wichtig die Basis für gutes Karate ist, zeigte Shihan Shirai schon in der Unterstufe. Zuallererst muss man ernsthaft trainieren, betonte er, denn wenn man lacht, verlegen in die Gegend schaut statt seinem Gegner in die Augen, schafft man es nicht, seine Kraft zu zentrieren.

Dann muss man korrekte Stellungen lernen. Bei der Kata merkt man, ob diese richtig ausgeführt werden. Andernfalls führt die Kata nicht mehr zum Ausgangspunkt zurück. Der Rhythmus, der durch das Zählen vom Trainer vorgegeben wird, muss irgendwann verinnerlicht werden.

Das richtige Atmen muss man lernen, da falsches Atmen sogar gesundheitsschädlich sein kann. Man schafft es nicht, sein Kime zu konzentrieren, wenn der Sauerstoff „konfus im Körper herumwirbelt“, kann dann auch keinen Schlag des Gegners abfangen.

Das Gefühl für die richtige Distanz muss entwickelt werden, um angreifen zu können, bzw. zu begreifen, wann man sich in die Gefahrenzone eines Angriffes begibt. Nur so kann man diesem zuvor kommen; entweder mit Abwehr-Konter oder auch um direkt dagegen gehen zu können. Hier kommt wieder das Kime ins Spiel, die Ernsthaftigkeit, und letztendlich auch die Bereitschaft, auf den Gegner zuzugehen und erst einmal einen Schlag einzustecken und trotzdem weiter nach vorne zu gehen um anzugreifen.

Interaktionen zwischen den Kämpfern stehen im Mittelpunkt – was sind die realistischen Aktionen und Reaktionen, wie sie in einer ernsthaften Auseinandersetzung tatsächlich zwischen den Kämpfern stattfinden würde – im Gegensatz zum festgelegten Training mit abgesprochenen Aktionen? Die Problematik ist häufig, dass im abgesprochenen Training „alles klappt“ – bzw. wir bei der Bewertung, ob die Partnerübungen korrekt durchgeführt wurden, sehr großzügig sind. Häufig sind aber weder die Distanzen noch das Timing immer korrekt. Geht man nun mit der oben beschriebenen Ernsthaftigkeit ans Werk und führt bspw. Angriff nicht mit einer Oberflächlichkeit aus, aus der ersichtlich wird, dass die Abwehr des Angriffes sowieso – weil abgesprochen – eingeplant ist, sondern mit der Intention des (sportlichen!) treffen wollens, kommt der Verteidiger häufig in starke Bedrängnis. Dieser wiederum benötigt nun – so Sensei Shirai – eine enorme Stabilität, den ernsthaften Angriff auch wirklich abwehren zu können und einen Konter zu vollziehen. Diese Stabilität beinhalte eine mentale und eine physische Komponente. Beide müssen entwickelt werden, denn wenn Bewegungen und Kombinationen schnell, fließend und stark ausgeführt werden, geht erfahrungsgemäß ein Teil der Stabilität verloren. Eine gewisse Bewegungsdynamik, bestimmte Strategien anzuwenden, muss darüber hinaus ebenfalls entwickelt werden. Beides zusammen ermöglicht alle möglichen Verteidigungsstrategien auch tatsächlich beherrschen zu können.

Die Philosophie der „Chance des einmaligen Angriffs“ war diesmal ebenfalls ein sehr wichtiger Trainingsaspekt. In bestimmten Phasen des Trainings legt Shihan Shirai Wert darauf, nach dieser Philosophie zu trainieren, d.h. jede Technik muss sitzen, eine Korrektur ist nicht möglich. Nur wer so trainiert, wird wirklich gut, sagt er.

Der Maestro sagt, dass er immer noch die gleichen Techniken trainiert wie damals als er mit dem Karate-Training begann. Das Einzige, dass sich geändert hat, ist die Methodik diese zu vermitteln. Diese hat er so weiterentwickelt, dass sie zu beschreiben, den Rahmen eines Artikels sprengen würde.

Ein Lehrgang bei Shihan Shirai ist beileibe keine leichte Kost. Selbst den Karateka, die regelmäßig bei ihm trainieren, qualmen irgendwann nicht nur die Fußsohlen sondern auch die Köpfe. So manch einer wird auch einen Lehrgang bei ihm besuchen und sich fragen, ob es das wert ist, die Zeit zu investieren, um dies Alles hier zu lernen; wird vielleicht erst mal nicht nachvollziehen können, was hier präsentiert wird. Etwas, das auf dem nächsten Lehrgang sicherlich schon weiterentwickelt ist. Etwas, das sich nicht an einem Wochenende erlernen lässt. Doch gibt es noch hunderte Karatekas, die ihm auf seine Lehrgänge folgen, um noch so lange wie möglich von seinem Wissen zu profitieren.

Hiroshi Shirai erscheint wie ein Anachronismus in der heutigen Zeit, da er uns nicht verspricht, Karate umfassend in 30 Tagen erlernen zu können. Stattdessen macht er sehr schnell klar, dass Karate lebenslanges Lernen bedeutet.

Wir freuen uns jetzt schon auf den 7. und 8.Mai 2011, wenn Shihan Shirai wieder Germersheim zu einem Lehrgang besuchen wird - dieses Mal also einen Monat vor Pfingsten.

Sabine Eisenhauer, Pressereferentin SKA Germersheim

© 2006 by RKV

Zuletzt aktualisiert am 20.06.2010 11:43 Uhr

Design by www.cmn-group.de