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Alte Bekannte treffen -
Shuzo Imai in Koblenz

Auch wenn es heißt, dass die Stilrichtung Wado-Ryu diejenige
ist, die in der Welt am häufigsten verbreitet bzw. trainiert
wird, so muss man doch auch zugeben, dass dies in
Deutschland nicht so ist. In Rheinland-Pfalz gibt es meines
Wissens nach gerade mal vier Vereine, die diese faszinieren
Stilrichtung betreiben.
Um so mehr hat es mich gefreut, dass viele Karateka unserer
Einladung (TUS Rot-Weiß Koblenz und TSV Lay) gefolgt sind,
um am Samstag den 15.11.2008 unter der Leitung von Imai
Sensei (7. Dan) in Koblenz-Lay zu trainieren. Diesmal hatten
sich die Ausrichter überlegt, nicht nur den
Fortgeschrittenen etwas zu bieten, sondern auch für den
Nachwuchs eine Einheit extra für Kinder bis 14 Jahre
anzubieten. Dies wurde auch gut angenommen. So reisten nicht
nur weit über 30 Erwachsene aus Gerolstein, Heidelberg,
Frankfurt und sogar Nürnberg an, sondern auch mehr als 20
Kinder füllten die Halle. Ein Dank an dieser Stelle auch an
die Eltern und Betreuer, die mitgefahren sind und ohne die
das nicht möglich gewesen wäre.
Die Trainingseinheit für die Kinder war geprägt von Kihon
und kleinen Spielen, um die Reaktion sowie die körperliche
Fitness zu schulen. Der kleine Karateka dem Imai Sensei beim
Gürtel binden half, bekam große Augen und wird dieses
Erlebnis wohl so schnell auch nicht vergessen. Nach dem
Kindertraining durften dann auch die „Großen“ mit
trainieren. Bis zur Mittagspause beschäftigten wir uns
ausgiebig mit Kihon.
Hier legte Imai Sensei besonderen Wert auf Tobikomi Zuki und
wie man zu mehr Schnelligkeit gelange. Er verdeutlichte
immer wieder, dass Schnelligkeit nur durch gleichzeitige
Entspannung zu erreichen sei. Durch mehr Schnelligkeit werde
ein Zuki dann auch Kraftvoller. Dieses Prinzip von Ohtsuka
Sensei sei besonders im Tobikomi-Zuki enthalten. Mit einem
verschmitzten Lächeln sagte er, dass er jetzt 66 Jahre alt
sei und dies erst seit ein paar Jahren so richtig
verinnerlicht habe. Zudem habe er sich vorgenommen, seine
Schnelligkeit, bis er 77 ist, voll zu entwickeln. Daran
lässt sich mal wieder erkennen, dass der Weg des Karate ein
lebenslanges Lernen ist.
Nach einer hochverdienten Mittagspause wurden dann mit Kihon
Kumite Ipponme und Nihonme das Training wieder aufgenommen.
In der letzten Einheit wurde die Gruppe getrennt. Imai
Sensei trainierte mit den Karateka vom 9. bis einschließlich
4. Kyu die Kata Pinan Godan sowie zwei mögliche Anwendungen
(Bunkai). Hierbei wählte Imai Sensei mich aus, um eine
mögliche Bunkai zu demonstrieren. Ich durfte dann quasi
Hautnah erleben, wie die Prinzipen des Wado-Ryu an mir
wirkten.
Während wir die Bunkai dann mit Partner übten, trainierte
Imai Sensei mit den anderen die Kata Kushanku und Naihanshi.
Am Ende des Lehrgangs mussten wir nochmals alle Kräfte
mobilisieren, um noch zwanzig Minuten lang Kombinationen aus
Zukis und Keris zu laufen. Nachdem die letzten Bahnen mit
Maetobigeri geschafft waren, spielte Imai Sensei
traditionell als Abschluss noch ein Lied auf seiner
japanischen Bambus-Flöte.
Auch wenn es ein anstrengender Lehrgang war, so bleibt
jedoch für mich festzustellen, dass ich auf dem Weg des
Karate wieder ein Stück weiter gekommen bin. Und gerade weil
es nicht so viele Karateka in Deutschland gibt, die Wado-Ryu
trainieren, so weiß ich doch, dass man auf jedem Lehrgang
immer ein paar nette Bekannte trifft mit denen man zumindest
einen Teil des Weges gemeinsam geht.
Holger Keller, RW Koblenz |