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Nachlese zum Pfingstlehrgang 2006 in Germersheim   

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„Karate üben heißt, ein Leben lang arbeiten. Darin gibt es keine Grenzen“
(Nachlese zum Pfingstlehrgang 2006 mit den Sensei Shirai, Fugazza und Marchini)

Unter diesem Leitsatz von Gichin Funakoshi könnte der diesjährige Pfingstlehrgang mit den Sensei Shirai, Fugazza und Marchini gestanden haben. Zum mittlerweile 6. Mal kam dieses - in dieser Besetzung europaweit einmalige - Trainerteam nach Germersheim, um den ca. 250 Lehrgangsteilnehmern wieder interessante Einblicke in die faszinierende Welt des originalen traditionellen Shotokan-Karate-Do zu gewähren.

Einst war dieser Pfingstlehrgang in Homburg/Saar aus der Taufe gehoben und jahrelang dort veranstaltet worden. Nachdem Sensei Kase aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen konnte, kam es zum Wechsel des Veranstaltungsortes, wobei sich Sensei Shirai aufgrund der guten Beziehungen zu seinem Schüler, unserem Landestrainer Pino Arcieri, für Germersheim entschieden hatte.

Das Lehrgangskonzept, nämlich Training in drei Gruppen mit rotierendem Trainerteam, steht seit Jahren. Die Oberstufe kommt dabei stets in den Genuss zweier Trainingseinheiten mit Sensei Shirai. Besonders auffällig und hervorzuheben ist die Kontinuität der Trainingsinhalte vom ersten bis zum letzten Training. Es gibt dabei keine widersprüchlichen Aussagen oder Übungen. Im Gegenteil: Alle Informationen ergänzen sich und passen am Ende wie bei einem Puzzle zusammen. Dies gilt übrigens auch dann, wenn die besagten Trainer nicht als Team auftreten, sondern alleine einen Lehrgang geben.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass die Teilnehmer, zu denen regelmäßig auch hohe Dan-Träger gehören, üblicherweise - und so war es auch diesmal - nicht nur aus dem näheren Umkreis anreisen, sondern aus ganz Deutschland und dem Ausland (in diesem Jahr kamen die Teilnehmer u.a. aus Frankreich, Österreich, der Schweiz, Italien, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, aus Polen, Irland und aus der Tschechischen Republik). Sie alle identifizieren sich mit den Trainern und deren Art, Karate zu praktizieren.

Mindestens 30-40 Minuten vor dem eigentlichen Trainingsbeginn füllt sich bereits die Sporthalle, da den meisten Sportlern wohlbekannt ist, dass Sensei Shirai trotz seiner 68 Jahre stets lange vorher bereits mit den Übungen beginnt. Der offizielle Angruß unterbricht das Training nur kurz. Das Training, das stetige Lernen und Üben steht immer im Mittelpunkt. Die knapp bemessene Zeit nämlich, die Sensei Shirai in Germersheim verbringt, soll optimal zum trainieren genutzt werden. Die Teilnehmer wissen seinen einzigartigen Einsatz zu schätzen. Ein besonders hohes Trainingsniveau und die hohen Anforderungen der Trainer sind für sie kein Anlass zur Resignation, sondern gerade die Herausforderung, die sie suchen und die sie alljährlich wie ein Magnet nach Germersheim zieht. Das konsequente Üben bringt unweigerlich den Spaß am Karate mit sich.

Die Trainingsinhalte bestehen nicht nur aus dem Erlernen und Verbessern von Techniken oder Katas. Dies sind insbesondere in der Oberstufe - aber nicht nur dort - (ungeschriebene) Teilnahmevoraussetzungen – ebenso wie die Etikette im Karate. Der typische Lehrgangsteilnehmer – so könnte man sagen – weiß dies und ist auf den Lehrgang vorbereitet. Dennoch finden sich immer wieder neue Sportler in Germersheim ein, die während des Lehrgangs ihre Begeisterung für diese Art von Karate entdecken. Es bietet sich ihnen hier die Chance, eine weitere Stufe zu erklimmen und das bereits Gelernte auf einem deutlich höheren Niveau anzuwenden. Die zentrale Aufgabe ist dabei meist die Verfolgung einer vernünftigen und anwendbaren Strategie des Kämpfens, die Funktionalität und Effektivität der Techniken, die damit verbundenen notwendigen Distanzen zum Trainingspartner sowie korrektes (d.h. sinnvolles und anwendungsbezogenes) Timing. Karatetechniken aufgrund der Ästhetik zu verändern ist bei Sensei Shirai und seinen Schülern undenkbar, denn Ästhetik ist bei Sensei Shirais Karate keine äußerliche, oberflächliche Erscheinung. Karate beginnt dann ästhetisch zu werden, wenn es von innen kommt. Kleine, durchaus mögliche Varianten oder Änderungen, die Sensei Shirai vornimmt, sind stets zweckorientiert, also anwendungsbezogen hinsichtlich des Kampfes, den es gilt, für sich zu entscheiden. Es drängt sich die Überzeugung auf, dass es möglich ist, zahlreiche Techniken zur Selbstverteidigung anzuwenden, ohne bspw. eine zugrunde liegende Kata ganz aus dem Auge zu verlieren.

Unter Berücksichtigung dieser Fakten scheint der Schwierigkeitsgrad einer Kata eher etwas Relatives zu sein. Die Einordnung in eine „höhere“ oder „niedrigere“ Kata erfolgt vielmehr aufgrund der Art der Anwendung, die sich am Gürtelgrad der Trainingsgruppe orientiert. Eine vermeintlich „leichtere“ bzw. „tiefere“ Kata erweist sich je nach Ausbildungsstand unter Umständen als äußerst anspruchsvoll.

Parallelen und Differenzen in unterschiedlichen „verwandten“ Katas waren zuletzt desöfteren Gegenstand der Lehrgänge. In der Oberstufe standen diesmal Kanku-Dai und Kanku-Sho im Vordergrund. Die jeweils analogen Einzelsequenzen beider Katas wurden im Bunkai geübt. Während sich Sensei Shirai mehr mit den eigentlichen Prinzipien befasst und seine durch jahrzehntelanger Erfahrung genährten Hinweise und Korrekturen z.B. auf die Senkung und Vibration der Hüfte oder den Kontakt mit dem Boden zielen, liegt der Schwerpunkt bei den Sensei Marchini und Fugazza auch auf den Einzeltechniken und Kombinationen. Sehr interessant anzuschauen ist das Training in der Mittel- und Unterstufe. Auf festen Stand und den richtigen Abstand der Techniken zum Trainingspartner wird bereits dort besonderen Wert gelegt. Die Arbeitsprinzipien sind in den verschiedenen Trainingsgruppen letztlich dieselben, allerdings auf unterschiedlichem Niveau. Die Schüler trainieren somit dasselbe wie ihre Trainer in der Oberstufe.

Zusammengefasst handelte es sich – erwartungsgemäß – um einen einzigartigen Lehrgang mit bester Trainingsatmosphäre. Einmal mehr haben die Dojo-Mitglieder aus Germersheim und Rülzheim einen würdigen Rahmen geschaffen. Ihnen gebührt großer Dank.

Was ist daher anderes zu erwarten, als dass Germersheim auch an Pfingsten 2007 wieder zu diesem Lehrgang einlädt?

Martin Hartung
(komm. Pressereferent SKR Germersheim)

© 2006 by RKV

Zuletzt aktualisiert am 09.02.2008 20:03 Uhr

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